Seit Ende Mai 2018 ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft gesetzt. Verschieden die Reaktionen: ‚Muss das sein?‘ – ‚Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Rechtsanwälte, Behörden, Abmahnvereine‘– ‚Abwarten. Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht‘ –. Mehr als ein Jahr ist seit der Einführung der DSGVO vergangen. Erste Urteile sind gefällt. Erste Bußgelder verhängt.

Datenschutz ist dem ACC ein besonderes Anliegen. Er hat Reiner Dienlin, akkreditierter Berater, Anfang dieses Jahres gebeten, sich Fragen des Datenschutzes anzunehmen. Mehr dazu in einem Interview: …

Interview-Fragen

Herr Dienlin, sie bekommen einen Anruf von ‚Unbekannt‘ und die Person fragt sie nach Ihrer Adresse und Ihrem Geburtsdatum. Warum schrillen bei Ihnen alle Alarmglocken?

Warum sollten meine Alarmglocken schrillen? Ich habe gerne mit Menschen zu tun. Davon abgesehen:

Ich frage freundlich nach, wer der Anrufer ist. Ich frage, woher er meine Telefonnummer hat. Ich erkundige mich nach seinem Anliegen. Je nach Antwort führt es in eine persönliche Begegnung, bei der ich auch weitere Auskünfte über mich gebe – oder durchaus auch mal in eine abrupte Beendigung des Telefonats.

Sie bieten akkreditierten Beratern und Seelsorgern einen Service rund um Datenschutz. Was motiviert Sie dazu?

Als ehemaliger leitender Mitarbeiter in der Medien- und Telekommunikationsbranche kenne ich den Wert von Daten und die schier unbegrenzt erscheinenden Möglichkeiten der Datenspeicherung und -verarbeitung. ‚Daten sind das Öl der Informationsgesellschaft‘, sagen manche. Der Gebrauch reicht von ‚bestimmungsgemäß‘ über ‚leichtfertig‘ bis ‚missbräuchlich‘. Als ‚Technik-affiner‘ Mensch habe ich eine gewisse Ahnung von Chancen und Risiken rund um PCs, Smartphones und Cloud-Diensten.

Als Seelsorger und psychologischer Berater ‚lebe‘ ich vom Vertrauen der Klienten. Und – viel mehr noch – ich habe ihr (Grund-)Recht auf Schutz der Privatsphäre zu achten und alles in meiner Macht zu tun, dass es gewahrt bleibt.

Viele Seelsorger und Berater nutzen technische Möglichkeiten, vereinbaren Termine per eMail, fertigen Gesprächsnotizen an, werten psychologische Tests aus, speichern auch mal Arztbriefe von Klientinnen und Klienten. Wem gehören diese Daten eigentlich?

Klar, aber vielfach vergessen: ‚Deine‘ Daten gehören Dir. ‚Meine‘ Daten gehören mir. Deshalb heißen sie auch ‚personenbezogene Daten‘.

Klientinnen und Klienten vertrauen uns ihr Innerstes an. Auch ihre persönlichen Daten. Mit dem einzigen Zweck, ihnen zu helfen. Und das auch nur befristet. Die DSGVO unterscheidet zwischen einfachen und besonderen Daten. Die ‚besonderen‘ Daten gehen weit über Name und Adresse hinaus und unterliegen einem besonderen Schutz. Zu den besonderen Daten gehören Geschlecht, Religion, Glaube, Werte, Einstellungen, Krankheiten etc. Also genau der Hauptbereich der Tätigkeitsfelder von Seelsorgern und Beratern.

Warum reagieren Seelsorger und Berater so unterschiedlich auf das Thema Datenschutz?

Die einen treibt die Sorge vor Abmahnung, andere die Sorge um den Schutz anvertrauter Daten, wieder andere machen einen Bogen um das Thema. Der unterschiedliche Umgang mit Datenschutz hat sicher auch mit der unterschiedlichen Persönlichkeit von Seelsorgern und Beratern zu tun.

Ich habe für den Umgang mit der Thematik Datenschutz als Bild einen langen Zug in den Schweizer Alpen vor Augen: Vorne und hinten ist jeweils eine Lok, die die Wagen über Berge und Täler bringt. Die eine Lok zieht. Das sollte für unsere Motivation stehen, die anvertrauten Daten mit allen Möglichkeiten zu schützen. Die andere Lok schiebt. Das darf durchaus auch mal der Druck sein, sich für die Art und Weise des Umgangs mit anvertrauten Daten rechtfertigen zu müssen.

Was sind Ihre wichtigsten drei Tipps, die Sie Seelsorgern und Beratern im Umgang mit personenbezogenen Daten geben?

Ich weiß nicht, ob drei Tipps dem Anliegen Datenschutz gerecht werden. Wie wäre es mit folgenden Leitgedanken?

Wie möchte ich, dass andere mit meinen persönlichen Daten umgehen? So sollte ich es auch mit deren tun. Am besten noch vorsichtiger.

Sehe ich hinter den ‚personenbezogenen Daten‘ noch den Menschen wie Jesus ihn sieht?

Wie ist bisher die Reaktion auf das Angebot des ACC, sich von Ihnen in Fragen des Datenschutzes begleiten zu lassen?

Etliche haben das Angebot bereits angenommen. Sicher ist noch ‚Luft nach oben‘. Aber ich werbe nicht gerne für mich. Ich erlaube mir, aus zwei Rückmeldungen zu zitieren:

„… nochmals vielen Dank für das Formular für Beratungspraxen; ich habe es jetzt auf mich angepasst. Ohne Ihre Hilfe hätte ich das nur mit hohem Aufwand erstellen können...“. Oder:

„… vielen Dank für Ihre guten Informationen. Ja, es ist sehr viel, aber … ich gehe es Schritt für Schritt durch …“.

Wann und wo haben Sie zuletzt so richtig Ihre Privatsphäre genossen?

In diesem Frühjahr auf meiner Pilgerfahrt mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela: In der Einsamkeit der Wälder und Felder, dem Staunen über mächtige Berge und tiefe Täler, reißende Bäche und ruhige Seen, der Stille der Klöster und Kirchen, der Begegnung mit Jesus in seinem Wort, der segensreichen Öffnung für andere Pilger. (Obwohl und zugleich auch weil meine Frau – und nur sie – meine Fahrt Tag für Tag per GPS im Internet verfolgen konnte)

Gottes Segen und Weisheit für Ihre Aufgabe!

Danke!

(Das Interview führte Ben Vaske, Mitglied des Vorstandes ACC)

 

Information

Der ACC hat mit Reiner Dienlin einen Rahmenvertrag geschlossen. Auf dessen Basis bietet er von dem ACC akkreditierten Seelsorgerinnen und Seelsorgern, Beraterinnen und Beratern eine Begleitung in Fragen des Datenschutzes an.

Bestandteile des Angebots sind, ihn als ‚externen Datenschutzbeauftragten‘ berufen und gegenüber den Aufsichtsbehörden benennen zu können. Weitere Leistungen sind Basis-Informationen zum Datenschutz sowie Informationen über aktuelle Entwicklungen. Weiterhin werden Empfehlungen gegeben und Musterformulare mit Bezug auf die Tätigkeit als Seelsorger und Berater etc. bereitgestellt.

Die Jahresgrundgebühr beträgt 25,- Euro. Weitere Gebühren können für Fachseminare (bei entsprechendem Interesse) oder besondere individuelle Fragestellungen anfallen.

Kontakt: Reiner Dienlin ist erreichbar über dienlin@w3-beratung.org