ACC hat begonnen eine Liste von Supervisoren zu veröffentlichen - zum einen, weil Supervision eine Anforderung für die Akkreditierung ist, zum anderen weil Supervision eine Form der Beratung ist, für die ACC gerne eigene Kriterien und eventuell einen eigenen Mitgliedstatus entwickelt. Deshalb freuen wir uns über diesen Gastbeitrag von dem ausbildungs- und verbandserfahrenen Lehrsupervisor Mathias Hühnerbein.

 

Der Nutzen und die Bedeutung einer fundierten Qualifizierung zum Supervisor

Supervision ist ein Modell für Lernprozesse, in dem durch die reflexive Art und Weise, wie berufsbezogene Fragestellungen bearbeitet werden, wirkungsvolle neue Möglichkeiten von Denken, Fühlen und umsetzungsorientiertem Lernen ermöglicht werden. Supervision unterstützt die berufliche sowie die persönliche Handlungskompetenz zu erhalten, wieder herzustellen und/oder zu erweitern.

Drei Felder, in denen Supervision ihre besondere Wirksamkeit zeigen:

  • Reflexion des gesamten Berufsfeldes des Supervisanden unter dem Blickwinkel der individuellen Arbeitsstruktur innerhalb des beruflichen Kontextes und deren institutionellen und organisatorischen Rahmenbedingungen, sowie der eigenen Entwicklungsdynamik.
  • Reflexion der persönlichen Anteile des Supervisanden in Konflikten und Arbeitsbeziehungen oder der Teamdynamiken.
  • Reflexion im Rahmen der klientenbezogenen Fallsupervision, insbesondere im pädagogischen, heiltherapeutischen und klinischem Kontext.

Supervision dient in vielen beruflichen Feldern der fachlichen Professionalisierung und ist somit verpflichtend.

Supervision vereinigt viele theoretische Grundlagen. Es werden Anleihen bei psychoanalytischen, humanpsychologischen, kommunikationstheoretischen, systemischen sowie verhaltenstherapeutischen Theorien gemacht. Gruppenanalytische Kenntnisse werden ebenso wie organisationstheoretische Konzepte in die Arbeitsweisen der Supervision mit einbezogen.

Supervision benötigt professionelle Qualifizierung

Supervision ist ein anspruchsvolles Beratungshandwerk, das gelernt sein will. Eine Qualifizierung zum/r Supervisor/in sollte sich daher an den hohen Fortbildungsstandards der EASC (European Association for Supervision and Coaching) und der DGSv (Deutsche Gesellschaft für Supervision) orientieren. Fortbildungsstandards vermitteln einen umfassenden methodischen sowie inhaltlichen Wissenszuwachs. Das stärkt die reflexive Prozesssteuerungskompetenz, gibt professionelle Sicherheit und einen Überblick über die vielseitigen supervisorischen Handlungsinterventionen. Standards dienen der fachlichen Qualitätssicherung.

Mit dem spezifischen Blick auf das Thema des Menschen im Spannungsfeld der Organisation vermittelt eine supervisorische Qualifizierung besondere Kenntnisse über die vielseitigen Wechselwirkungen des Menschen in unternehmerischen Veränderungsprozessen. Supervisoren benötigen dieses weitreichende Know-how, um die Menschen in ihren organisationalen Bezügen wirkungsvoller reflektieren und unterstützen zu können.

Die Qualifizierung zum Supervisor/in sollte ein handlungsorientiertes 'Learning by doing' ermöglichen, d.h. einen Weiterbildungsrahmen bieten, in dem der/die angehende Supervisor/in ein praxisorientiertes Lernfeld vorfindet, und in dem der/die angehende Supervisor/in im Schutz des 'in Ausbildung stehenden' eigene Lernerfahrungen machen kann.

 

Mathias Hühnerbein
proCEO Nürnberg
Supervisor, Lehrsupervisor,
Lehrtrainer für Supervisoren (EASC)