Rezension: Dirk & Christa Lüling, Trost finden - Scham und Minderwertigkeit überwinden, Asaph-Verlag, 2019, Hardcover, Preis 14,00 EUR

Scham ist ein Gefühl, das viele aus eigener Erfahrung kennen. Darüber gesprochen wird trotzdem nur selten. So ging es auch Dirk und Christa Lüling. Seit mehr als 30 Jahren sind die beiden eigenen Aussagen zufolge als Berater und Seelsorger mit dem Thema „Innere Heilung“ unterwegs. Vor allem die letzten zehn Jahre sei das Thema Scham in ihr Blickfeld gerückt, ist im Vorwort zu ihres Buches „Trost finden: Scham und Minderwertigkeit überwinden“ zu lesen. Wer das Buch in die Hand nimmt, merkt schnell, Christa und Dirk Lüling wissen aus eigener Praxis- und Lebenserfahrung, worüber sie schreiben. Als Berater haben sie viele Menschen begleitet. So können sie von vielen Beispielen berichten. Menschen, die erst nach Jahren Zugang zu ihrer Scham und den damit verbundenen Kindheitserinnerungen bekommen haben und einen heilenden Umgang damit fanden. Das macht das Buch für Betroffene zu einer hoffnungsfrohen Lektüre.

In den knapp 160 Seiten geben die Autoren Einblick, wie Scham entsteht, was sie mit einem Menschen macht und welche Schritte möglich sind, um Heilung zu finden. Das Buch ist aus einer bewusst christlichen Haltung geschrieben. So zeigen die Autoren auch auf, wo es in der Bibel Menschen mit schamvollen Erlebnissen gibt und was wir von Jesus dazu lernen können. Während ihres langjährigen Engagements beobachtete das Autorenehepaar auch wiederholt, wie sich in christlichen Gruppen und Gemeinden aus gesunden Anfängen manchmal ungesunde religiöse Schamkulturen entwickelten. Die Klarheit, mit der das Autorenpaar darüber spricht, könnte manchem Gemeindepastor oder Verantwortlichen nicht gefallen.

Das Buch ist leicht und verständlich geschrieben.  Es nennt viele Aspekte beim Namen, über die auch in christlichen Kreisen viel zu wenig gesprochen wird. Gerade deshalb sind dem Buch viele Leser zu wünschen. Für Seelsorger und Berater kann es ein Schlüssel sein, Ratsuchende besser zu verstehen.

 

 

Iris Völlnagel, Journalistin und Individualpsychologische Beraterin (ICL)